Sonnendeck, 01 2005

Tütenkünstler Thitz

Alles so schön bunt hier!

Sein Markenzeichen sind seine zwei verschiedenfarbigen Schuhe – der eine rot, der andere gelb. Wenn Thitz dazu ein rot-gelb gestreiftes Hemd mit verschiedenfarbigen Knöpfen trägt (was er oft tut) sieht er selbst aus wie eine lebende Comic-Figur.

Dass Thitz eine Vorliebe für Comics, Pop-Art und Kunst hat, ist offensichtlich. Seine inzwischen schon mal 2 mal 2,8 Meter großen Bilder sind vollgestopft mit dünnen, langarmigen, stets fröhlichen, gelb, rot- oder auch blauhäutigen Figuren, die wie selbstverständlich durch Großstädte fliegen oder aus dem Körper größerer Figuren winken. Bestimmte Figuren wie die grünhäutige, mit Blätter-Haaren gesegnete „Leaf me“-Frau tauchen immer wieder auf.

Zum Markenzeichen seiner Bilder ist die Tüte, beziehungsweise deren Henkel geworden. Ab und an bemalt Thitz auch mal Wandkarten oder Fotoalben; in der Regel aber setzen sich seine Werke aus zusammengeklebten Papiertüten und neuerdings auch Fotodrucken auf Leinwand zusammen. Wer Thitz in seinem Winterbacher Atelier besucht, das übrigens genauso vollgestopft ist wie seine Bilder, erfährt wieso: „1985 habe ich auf eine Reise nach Schweden, weil ich gerade kein Skizzenbuch zur Hand hatte, einfach ein paar längere Bäcker-Papiertüten mitgenommen. Erst habe ich nur die Rückseiten bemalt, dann auch noch Fundstücke rein getan“.

Inzwischen quellen seine Regale von exotischen Tüten und damit potenziellen Bildträgern über. Dass die Einladungskarte zu seiner aktuellen Ausstellung in der Sparda Bank am Hauptbahnhof (1. Dezember – 10. Januar 2005) ebenfalls die Form einer Tragetüte hat, ist da nur konsequent.

mak

Stefanie Alber, Kunsthistorikerin, ifa-Galerie Stuttgart